Khatera Ali: Aufgeben war nie eine Option für mich

Khatera Ali über Liebe für ihre Kunst als Designerin und ihre Motivation, mit ihrem Wirken Gutes zu tun

 

Wer verbirgt sich hinter Khatera und was hat es mit dem gleichnamigen Label auf sich?

Die Gründerin von KHATERA ACCESSORIES: Das bin ich Khatera Ali. 

Ausgebildete Schneiderin und Schnittdirectrice aus Hamburg mit einer Vision, die mich täglich antreibt. Mir liegt Kreativität und soziales Engagement mit Achtung vor allen Menschen sehr am Herzen.

 

Khatera ist Liebe. Dieser Slogan verbindet all die Taschen, Minibelts und Accessoires von Khatera und erfüllt die Marke mit stolz. Was genau bedeutet Liebe in diesem Kontext für dich?

Mit meinem sozialen Engagement möchte ich Teil eines Wandels hin zur Liebe sein und die Produktion in der Mode fair, sozial, wertschätzend und liebevoll gestalten. 

Für mich war schon lange klar, dass ich kein Teil der verachtenden Produktionsweise in der Modeindustrie sein möchte. 

Früher wurden Menschen geliebt und Dinge benutzt. Heute werden Dinge bzw. Geld geliebt und Menschen für die eigene Bereicherung benutzt und ausgebeutet. Dies muss sich wieder umkehren und dafür leiste ich mit meiner Arbeit im Laufe meines Lebens hoffentlich einen großen Beitrag. Das würde mein Herz sehr erfüllen und der Lohn aller harter Arbeit sein. 

 

Früher wurden Menschen geliebt und Dinge benutzt. Heute werden Dinge bzw. Geld geliebt und Menschen für die eigene Bereicherung benutzt und ausgebeutet. Dies muss sich wieder umkehren!

 

Du hast vor Kurzem das soziale Projekt “True Healing” gegründet. Worum geht es bei “True Healing” und gibt es eine Verknüpfung zu Khatera Accessories?

Das soziale Projekt True Healing habe ich gegründet, weil ich meinen langen, sehr schweren Heilungsweg aufzeigen möchte. Ich war selber sehr schwer traumatisiert und habe viele Schicksalsschläge hinter mir. Mein erstes großes Trauma bekam ich schon bei meiner Geburt, da ich auf einer sehr schrecklichen Flucht von Afghanistan nach Deutschland zur Welt gekommen bin. Auf dieser Flucht hat meine Mutter Todesängste, Existenzängste und Stress in sehr großem Maße gehabt. Und alles im Mutterleib und bei der Geburt auf mich in mein Nervensystem übertragen.

2014 sind dann auch noch meine Mutter und mein Vater verstorben, was mich noch einmal aus der Bahn geworfen hat. Da ich immer diesen Traum hatte Designerin zu sein und mit meinem eigenen Label meiner Kreativität freien Lauf zu lassen, habe ich nie aufgehört nach Heilung zu suchen und habe alles gelesen, mir angeeignet und mit Coaches, Therapeut*innen und Energieheiler*innen gearbeitet.

Ich habe eine sehr starke Transformation hinter mir und bin heute sehr stark in meiner Kraft. Viele fragen mich immer, wie ich das gemacht habe. Aus diesem Grund habe ich angefangen es zu teilen und es wird noch mehr werden. 

 

Du hast selbst einen afghanischen Background und lebst in Hamburg. Inwiefern hat dieser Mix deine Entscheidungen für das Label geprägt bzw. prägt es immer noch?

Mein afghanischer Backround hat eigentlich nicht so viel mit dem Stil meines Labels anfangs gehabt, da meine Designs sehr clean und geradlinig sind. Als ich anfing mir Gedanken über meine Produktion zu machen, da kam dann mein afghanischer Backround mit ins Spiel. Da ich auf der Flucht geboren wurde und mit geflüchteten Eltern in Hamburg-Steilshoop groß geworden bin, weiß ich, wie schwer dies für eine Familie ist. Mein Vater konnte hier z.B. nicht als Apotheker arbeiten.

Da ich von meinen Eltern wusste, dass in Afghanistan jeder nähen kann, habe ich mich dazu entschlossen, geflüchteten Menschen mit meiner sozialen Produktion eine liebevolle Perspektive mit Achtung vor ihrer Geschichte zu geben. 

 

In der Anfangsphase von Khatera Accessories war es sicherlich nicht einfach für dich. Gibt es einen Moment, der dich besonders geprägt hat?

Ein eigenes Label alleine aufzubauen ist schon nicht einfach. Ich hatte nach dem Tod meiner Eltern kein Geld mehr zum Investieren und musste jeden Cent umdrehen. Gleichzeitig musste ich weiter an meiner Heilung arbeiten. Das alles irgendwie hinzubekommen, hat mir gezeigt, wie stark ich geworden bin und dass, wo ein Wille ist, auch ein Weg ist. Aufgeben war nie eine Option für mich. 

 

Ich hatte nach dem Tod meiner Eltern kein Geld mehr zum Investieren und musste jeden Cent umdrehen. Gleichzeitig musste ich weiter an meiner Heilung arbeiten. Das alles irgendwie hinzubekommen, hat mir gezeigt, wie stark ich geworden bin.

 

Dann gab es sicherlich auch sehr glückliche Momente. Welche Erfolge/Projekte im Zusammenhang mit Khatera Accessories erfüllen dich mit besonderem Stolz?

Es gibt auch sehr glückliche Momente. Ich erhalte stets sehr liebevolle 5 Sterne Bewertungen. Die Kunden spüren die Liebe, dich in meine Arbeit stecke und zeigen mir das sehr. Im Laden oder durch Bewertungen. Sie empfehlen mich stets weiter und kaufen für ihre Liebsten bei mir immer wieder ein. Ein größeres Kompliment kann man glaube ich nicht bekommen. Ich bin immer sehr gerührt und freue mich sehr darüber. 

 

Wie geht es weiter? Wo siehst du Khatera Accessories in 5-10 Jahren?

Ich bin gerade dabei, die soziale Produktion mit geflüchteten Frauen aufzubauen. Um das Label in der Form aufbauen zu können, wie ich es mir vorstelle, werde ich mit eine*r Geschäftspartner*in zusammen arbeiten und ein Team aufbauen.

Ich sehe eine starke Onlinepräsenz mit großem Charity-Shop und weiterhin einem oder zwei Standorten, wo die Produktion stattfindet. Tolle Kooperationen mit Onlineshops, Geschäften und sozialen Trägern. 

Was würdest du angehenden Gründer*innen im Fashion Bereich raten?

Sich immer schon am Ziel sehen und aus dieser Energie heraus arbeiten. Niemals Ratschläge von Menschen annehmen, die nicht da sind, wo du sein willst. 

Hätte ich auf andere gehört, dann hätte ich das alles nicht geschafft.

 

Gibt es noch etwas, was du unseren Leser*innen mitgeben möchtest? 

Höre immer auf dein HERZ.

 

Khatera vielen Dank für das Interview!

 

 

 

 

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